Als in John Does angemietetem Büro das Telefon klingelte, war Johns Sekretärin gerade in der Küche beschäftigt, die mehr einer Besenkammer glich - es gab lediglich einen Abstelltisch auf dem die Kaffeemaschine stand und ein wenig Zucker in einer Schale, gegenüber ein Fenster - sich einen Kaffee zu kochen. Das heiße Getränk spritzte ihr auf die zierliche Hand. Mit einem leisem Fluch stellte sie Kanne und Becher wieder auf den Tisch, eilte zum Telefon und nahm es von der Gabel.
"Detective Doe's Büro. - Tut mir leid, Mr. Doe ist noch nicht hier. - Ja, ich werde ihm eine Nachricht zukommen lassen."
Klingelnd öffnete sich im gleichen Moment die Eingangstür. Mit offenem Trenchcoat und schief sitzendem Filzhut schlurfte Doe in sein Büro.
"Ah...", entfuhr es der Sekretärin, "soeben ist Mr. Doe eingetroffen. Ich reiche sie weiter..."
Doe drehte sich um und wollte das Büro wieder verlassen, doch die übereifrige Mitarbeiterin hatte bereits den Fuss an der Tür und ihm den Hörer ans Ohr gedrückt.
Widerstrebend knurrte der Detective seinen Namen: "John Doe hier... - Ja, nur noch keinen Kaffee getrunken... - Um 8 am? Es ist kurz nach 7 am... - Ich weiß, dass sie die Uhr lesen können. - O.K. in 10 Minuten." Er klatschte das Telefon auf die Gabel und blickte seine Schreibkraft wütend an.
"Ich hatte noch nicht mal 'nen Kaffee, Sam, und du belästigst mich mit solchen Idioten."
Die Angesprochene drehte sich weg, stellte das Telefon wieder auf den Schreibtisch und täuschte hektische Beschäftigung vor.
"Wenn ich dir nicht jeden Morgen so einen "Idioten" aufdrücken würde, hättest du keine Kunden. - Da, trink meinen Kaffee!" Sie zeigte, in die Rumpelkammer, namens Küche. "Er ist noch heiß..."
Fünf Minuten hatte er im strömenden Regen warten müssen, nur eine alte Zeitung vom Vortag oder Vorvortag oder von letztem Jahr über dem Kopf, als Schutz. Endlich kam ein Taxi und ließ in bei laufendem Motor einsteigen.
"Wohin, Sir?", fragte der Fahrer mit leicht irischem Akzent, nach hinten gebeugt.
"Colorado-Street, Ecke Overlook-Hotel."
"Mmh... Feine Gegend.", fügte der Taxifahrer gedankenverloren bei und gab, an der Zigarette ziehend, Gas.
Doe zog seinen Trenchcoat eng um sich und legte den nassen Hut auf den Schoß. Er wischte sich mit dem Handrücken die Stirn und seufzte.
Etwas ruckartig hielt der Wagen vor einem großen Haus. Wasserspeier blickten auf den Gehsteig auf den nun auch Detevtive John Doe trat. 17 Dollar hatte dieses kleine irische Schwein ihm abgeluchst. Fast hätte er seinem Ärger Luft gemacht, hatte aber bereits Erfahrung mit irischen Hafenarbeitern und ihrem Nationalstolz gemacht. Also behielt er seine Wut erst mal für sich.
Wieder mit der alten Zeitung über dem Kopf betrachtete er eingehend das riesige Stadtanwesen. Mit langen, hochgezogenen Fenstern, von Säulen eingerahmt, bog es sich in den grauen Himmel. Doe trippelte die Treppe hoch, bedacht nicht zu fallen und drückte die Klingel. Er drückte sie noch mal und ein drittes Mal. Man solle nicht glauben, er hätte Zeit zu verschwenden.
Die Tür öffnete sich und ein langer, grauhaariger Mann mit in den Nacken geworfenem Haupt schaute ihn skeptisch an.
"Detective John Doe.", stellte sich Doe vor.
"Bitte treten sie ein, der Hass erwartet sie bereits..."
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